Meine Liebe und ich -
Impulstag für junge Ordensleute vom 3. Februar 2025 in Luzern
LiebesLeben. Der diesjährige Impulstag für jüngere Ordensleute vom 3. Februar ermöglichte etwas nicht gerade Alltägliches, nämlich darüber zu reflektieren, wie Ordensleute mit dem Lebensthema Liebe umgehen und Beziehungen gelingend gestalten können.
Ein Montag Anfang Februar in Luzern. Anwesend sind zehn Menschen, Männer und Frauen. Sie sind verschiedener Herkunft, kulturell und wohnortbezogen. Sie sind im Alter bis 55 Jahre und beschäftigen sich einen Tag mit dem Thema Beziehung, Lieben, Verliebtsein und Sexualität. Am Vormittag geht es um den Blick zurück auf die eigene Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe. Darum, wie diese drei zusammenhängen. Um den Austausch darüber.
Am Nachmittag wird dann die sexuelle Entwicklung, die Reifung im Thema durch die Referentin Anouk Battefeld, Fachverantwortliche Diakonie im Pastoralraum Basel-Stadt mit einem Master in Sexologie, in Wort und Austausch gebracht. Es geht um die Reflexion über die eigene Liebes- und Lebensgeschichte, um die Diskrepanz zwischen idealer und realer Gottesbeziehung, um die Aneignung von Wissen über physiologische Vorgänge im Körper beim Verlieben und Lieben. Es geht um Sprachfähigkeit; so weit, so unspektakulär.
Doch dieser Impulstag ist weniger alltäglich, als es klingt. Denn die teilnehmenden Männer und Frauen gehören verschiedenen Orden und Gemeinschaften an, vielleicht nicht die ersten Adressat:innen für das Thema Verliebtsein oder Sexualität. Es ist Zeichen eines Wandels, der langsam und stetig im Rahmen der Römisch-Katholischen Kirche vor sich geht. Ein Wandel, der sich an vielen Punkten zeigt und spätestens seit den Ergebnissen der Vorstudie zum Thema Missbrauch im September 2023 ohne Alternative ist.
Martin Föhn, Jesuit, verantwortlich für Bildung und Spiritualität im Pastoralraum Basel-Stadt und Mitorganisator des Impulstags für jüngere Ordensleute 2025, den es seit rund 5 Jahren an wechselnden Orten gibt, ist überzeugt, dass «wir als Kirche eigentlich viel zum Thema Liebe in allen Facetten zu sagen hätten.»
Der Wandel geschieht und er braucht Zeit. Vieles hat mit persönlicher Entwicklung zu tun, mit Lernen an sich selbst und mit dem Erlernen von Sprachfähigkeit. Das kann sehr schwerfallen. «Die Besprechbarkeit ist manchmal eine Herausforderung. Aus kulturellen Gründen und auch, weil das Thema mit Scham behaftet ist. Immer noch», erläutert Martin Föhn. Die Ordensleute am Impulstag in Luzern haben deshalb Themen auch teilweise in geschlechtergetrennten Kleingruppen bearbeitet. So eröffnet sich für Einzelne die Möglichkeit, sich neu und anders zu verstehen, zu lernen und sich durch das Gelernte mit der Zeit zu verändern.
Text: Anne Burgmer, Kommunikation RKK BS – gekürzt und bearbeitet durch: Alex Mrvik-Emmenegger, IKB Luzern
Flyer zum Impulstag
Am 4. März 2024 versammelten sich 25 Ordensleute aus der ganzen Deutschschweiz
- um sich einen Energiebooster zu holen.
Der mittlerweile 5. Impulstag wurde von der IKB Luzern unter dem Patronat der KOVOS im Kloster Mariazell SG veranstaltet.
Gastgeberin und energiespendende Referentin war Sr. Andrea Fux, Priorin des Zisterzienserinnenklosters in Wurmsbach am Obersee.
«Energiebooster für stürmische Zeiten» titelte dieses Vernetzungstreffen. Und so wurde den Teilnehmenden an diesem Kraftort nicht nur Zeit geschenkt, um darüber auszutauschen, was uns jeweils Energie gibt, sondern es wurde bewegt, nachgedacht, gebetet und gesungen. Sr. Andrea schenkte den Anwesenden durchaus humorvoll, eine wertvolle Zeit des Auftankens, in- und outdoor.
Impuls- und Austauschtag jüngerer Ordensleute in Zürich vom 17. Oktober 2022
Orden-tlich leben heute.
Am 17. Oktober 2022 waren rund 30 Ordensleute der Einladung von IKB und KOVOS zu einem Impulstag gefolgt. Das Austausch- und Vernetzungstreffen fand im Centrum 66 in Zürich statt und spiegelte das junge Segment der Deutschschweizer Ordensgemeinschaften wider. Die Teilnehmenden lauschten interessiert den Ausführungen der benediktinischen Referenten aus Rom und Einsiedeln, die ihre Impulse auf die Themen Ordensentwicklung und Berufungspastoral fokussierten und einige Best Practice-Beispiele gaben.
«Wie viele seid ihr noch?»
Pater Bernhard Eckerstorfer, Rektor der Ordenshochschule der Benediktiner San Anselmo in Rom, skizzierte Erkenntnisse aus einigen neueren Studien zur Ordensentwicklung vor allem aus den USA und nahm Stellung zur Ordenskrise und der Entwicklung des Ordenslebens in postchristlicher Zeit. Anhand einer scheinbar aktuellen Begrüssungsformel unter Ordensleuten «Wie viele seid ihr noch?» warnte Eckerstorfer vor dem Diktat der Zahlen. Es müsse einen Vorrang der Qualitätsfrage geben, Erfolge sollten nicht (nur) an Zahlen gemessen werden. Kurios sei es beispielsweise, dass Kirchen in manchen Ländern eigene Pressekonferenzen zu Austrittszahlen geben, anstatt auf gelungene Projekte und Initiativen zu verweisen. Das bringe uns nicht weiter. Dennoch diagnostiziert der Benediktiner: «Wir leben in einer Zeit des Übergangs und eines tiefgreifenden Wandels». Es brauche neue Massstäbe auch für unsere Klöster. Und dabei helfen Vergleiche mit vergangenen Zeiten nicht.
Warum treten heute Menschen in einen Orden ein?
Qualitativen Studien der Georgetown-Universität zwischen 2009 und 2020 ist zu entnehmen, dass Ordensmitglieder, die nach den Gründen ihres Eintritts befragt wurden, folgende drei Punkte priorisiert haben: Eine lebendige Gemeinschaft, klare religiöse Identität und Gebet. Die Situation der heute Eintretenden sei aber anders als früher, so Pater Thomas Fässler. Am Anfang stehe meistens eine diffuse Suche nach mehr. Katholische Sozialisation und Bekanntheit von konkreten Ordensleuten seien geschrumpft.
In der Diskussion sahen sich die Teilnehmenden darin bestärkt, öffentlich sichtbarer sein zu wollen z.B. in den sozialen Medien, und die Pforten besonders für junge Menschen, spirituell Suchende und «AuszeiterInnen» zu öffnen. Dazu gibt es bereits heute einige Projekte wie «Klosterzeit» oder «Jugendbrevier». Die Referenten ermutigten zu Experiment und Wagnis im Hinblick auf innovative Projekte.
Die Sehnsucht der Himmelsstürmer
Die Patres und Buchautoren Thomas Fässler und Philipp Steiner gaben Einblicke in ihr Berufungsbuch «Himmelsstürmer», welches im Herbst letzten Jahres erschienen ist. Die beiden Einsiedler Mönche konzipierten das Werk als Trias von Website, Veranstaltung und Buch. Das Werk ist bewusst User freundlich konzipiert und somit auch sprachlich nicht an kirchliche Insider gerichtet. Es ist ein gewollter Mix aus Ratgeber und spiritueller Literatur daraus geworden.
Pater Fässler betonte in seinem engagierten Statement, dass man wieder stärker auf sich aufmerksam machen müsse und nahm hier die Missionsgesellschaften als Vorbild. Weiters betonte er, dass die Arbeit an den Schulen für die Berufungspastoral oft unterschätzt wird und man wieder mutiger im Ansprechen von jungen Menschen im Hinblick auf ihre Talente und Begabungen sein müsse. Das brauche alles eine ordentliche Portion Mut. Junge Menschen müssten auch bei ihren Lebensentscheidungen begleitet werden. Mit dem Satz «Es gibt für jeden Menschen mehrere mögliche Wege im Leben» brachen die Einsiedler Patres eine Lanze für eine offene Sichtweise von Berufungspastoral, als «Begleitung auf dem je eigenen Weg mit offenem Ausgang».
Eine freudige Überraschung ergab sich dann während der Präsentation von «Himmelsstürmer»: Sr. Andrea Fux aus dem Kloster Wurmsbach kündigte sozusagen als weibliches Pendent ein ähnliches Buchprojekt von initiativen Ordensfrauen an, das im nächsten Frühjahr ebenfalls bei Herder erscheinen soll. Der Titel muss allerdings noch geheim bleiben.
Nicht geheim blieb nach dem Treffen, dass es den Teilnehmenden Mut gemacht hat und es eine Fortsetzung der Impulstage geben wird.
Alex Mrvik-Emmenegger, Fachstelle IKB