Ein Neustart, der bewusst Zeit braucht
Mit der Neugründung haben wir uns für die direkte Mitgliedschaft entschieden. Jede Gemeinschaft entscheidet selbst und frei, ob sie der KOVOS beitreten will. Dass dies nicht über Nacht geschieht, ist kein Zeichen von Schwierigkeiten, sondern gewollt. Eine Mitgliedschaft aus Überzeugung trägt weiter als eine automatische. Die meisten bisherigen Vereinigungen haben sich inzwischen aufgelöst, viele Gemeinschaften sind beigetreten, und laufend kommen neue Anfragen hinzu. Auch die erneute Anpassung der Statuten ist kein Rückschlag. Sie zeigt, dass wir die kirchenrechtliche Anerkennung durch das Dikasterium sorgfältig und im Dialog mit Rom anstreben.
Aufarbeitung und Prävention: gemeinsam Verantwortung tragen
In der Aufarbeitung des sexuellen und spirituellen Missbrauchs und in der Prävention arbeitet die KOVOS eng und vertrauensvoll mit der Schweizer Bischofskonferenz und der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz zusammen. Diese Zusammenarbeit funktioniert, und sie ist für die Glaubwürdigkeit des Ordenslebens in der Schweiz zentral.
Wir respektieren, dass nicht alle Gemeinschaften diesen Weg gleich beurteilen. Wir nehmen auch ernst, dass viele Ordensfrauen selbst Opfer von Missbrauch wurden. Gerade deshalb verstehen wir Aufarbeitung nicht als Zuweisung von Schuld an einzelne Gemeinschaften. Sie ist eine gemeinsame Verantwortung gegenüber den Betroffenen. Die Finanzierung beruht auf Solidarität: Wer mehr tragen kann, trägt mehr. Wo einzelne Gemeinschaften nicht beitragen können oder wollen, lässt die KOVOS diese Aufgabe nicht fallen, sondern trägt sie mit den anderen weiter. Dass die Männergemeinschaften hier den grössten Anteil übernommen haben, verstehen wir als gelebte Solidarität.
Pluralität heisst offene Türen
Die Pluralität des geweihten Lebens misst sich nicht allein an Mitgliederzahlen, sondern an der Offenheit füreinander. Unsere Türen bleiben offen, auch für die Gemeinschaften der VONOS und der ADRL. Der Kontakt besteht weiterhin. Mit den geplanten Vernetzungstreffen wollen wir Ordensleute aus allen Sprachregionen und Lebensformen zusammenbringen, damit sie einander kennenlernen und miteinander eine Stimme finden.
Wir sind keine Befürworter von Schönfärberei. Eine kritische Begleitung unserer Arbeit ist berechtigt und willkommen. Wir wünschen uns aber, dass auch sichtbar wird, was gelingt. Für ein weiterführendes Gespräch stehen wir gerne zur Verfügung.
P. Andy Givel SAC
Präsident KOVOS